„Gottes starke Töchter“ Familienkreis

Foto: Bei der Schierlinger Kolping-Familiengruppe „Familienrunde“ sprach Pfarrer Bernhard Pastötter über „Gottes starke Töchter“. Dafür dankten ihm die Gruppenleiterin Maria Feigl, sowie die Kolping-Vorsitzenden (v.l.) Doris Bachmeier, Rudi Feigl und Renate Friedrich

Bei der Kolping-Familienrunde ging es um die Rolle der Frauen im Alten Testament

Das „Alte Testament“, der erste und größere Teil der Bibel, entstand über rund eintausend Jahre hinweg zwischen 1560 und etwa 400 vor Christi Geburt. Es erzählt die Schöpfungsgeschichte und die Geschichte des Volkes Israel. Die Familienstruktur im alten Orient war patriarchal geordnet, die Männer hatten das Sagen, die Frauen eher nicht. Mit der Heirat erhielt der Mann die Rechtsgewalt über seine Frau. Pfarrer Bernhard Pastötter ging vor diesem Hintergrund bei der Kolping-Familienrunde „Gottes starken Töchtern“ nach, die sich oft mit drastischen Mitteln gegen Männer durchsetzen mussten.

Kolping-Familienrundenleiterin Maria Feigl begrüßte im Pfarrheim die Gäste und sagte, dass im Alten Testament die Frauen in erster Linie dienende Funktionen hatten. Doch es habe auch starke Frauen gegeben, die eine konkrete Aufgabe hatten und etwas bewirken konnten. Pfarrer Bernhard Pastötter griff das am Schluss seines Vortrages auf. Die Frauen damals haben gemerkt, dass sie auch im Volk Israel in verschiedenen Rollen etwas zu sagen haben. „Besonders wenn die Männer an der Grenze der Vernunft sind, dann springen die Frauen ein!“, so der Pfarrer. Er schlug einen Bogen zum Neuen Testament und fragte:  „Wer steht unter dem Kreuz?“. Die Antwort gab er gleich selbst: „Alle haben Jesus verlassen, nur die Frauen waren da. Das ist Treue!“
Die Geschichten über Frauengestalten im Alten Testament sind einerseits niedergeschrieben und andererseits mündlich überliefert worden, so Pfarrer Pastötter. Er nannte Eva „die Mutter aller Lebendigen“. Bei den „Erz-Elterngeschichten“ sei im 1. Buch Mose von den Erzeltern Abraham und Sara, deren Sohn Isaak und dessen Frau Rebekka erzählt. Als Erzmütter gelten neben Sara und Rebekka auch Jakobs Ehefrauen Lea und Rachel. Die neue theologische Wissenschaft hat nach Pfarrer Pastötter herausgebracht, dass die Ehefrauen damals eine so wichtige Rolle wie die Patriarchen gespielt haben. Obwohl Abraham mit Hagar eine Nebenfrau hatte, hielt Sara durch. Als nächste Frau stellte der Referent Miriam vor, die so bedeutend gewesen ist, dass sogar ihr Grab überliefert ist. Sie gilt als Prophetin und erscheint als glaubensstarke, intelligente und eigenwillige Frau, die in der Lage gewesen ist, ihre Meinung einzubringen. Im „Buch der Sprüche“, das insbesondere Weisheiten des im 10. Jahrhundert vor Christi Geburt lebenden Königs Salomo wiedergibt, wird davon gesprochen, dass die Frau wertvoller ist als Korallen.
Pfarrer Pastötter stellte Debora vor, die als „Mutter in Israel“ gilt und als einzige Frau im Buch der Richter tatsächlich auch als Richterin genannt wird. „Sie war Mahnerin und Ruferin aber auch Prophetin, die Gottes Wille erkennt und in bestimmten Situationen auch ausspricht“, so der Pfarrer. Ihre ganz große Besonderheit sei gewesen, dass sie Autorität bei der Leitung des Volkes hatte. Nicht zuletzt deshalb sei sie auch von der Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts entdeckt worden, um Mut und Kraft zu schöpfen. Es wurden beim Vortrag noch weitere Frauen vorgestellt, wie etwa Rut und ihre Schwiegermutter, die jüdische Witwe Noomi. Sie hielten besonders stark zusammen und sahen das als gegenseitigen Schutz. Sie stellen sich konsequent gegen die pauschale Diskriminierung von fremden Frauen, Ausländern und Witwen. Es ging dann auch um Isebel, die skrupellose, Judit, die Retterin des Volkes, Ester, die gut aussehende und außerordentlich kluge Witwe.
Maria Feigl dankte Pfarrer Pastötter dafür, dass er Zusammenhänge plausibel darstellte und sie gewann die Erkenntnis, dass die Texte im Alten Testament heute nicht immer wörtlich genommen werden dürfen.

Foto und Text: Fritz Wallner